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31. Mai 2009

Rettungspaket für Studierende

Rettungspaket für Studierende - Resolution des Bundeskongresses von Die Linke.SDS zur Krise an den Hochschulen, 31.5.2009

Die tiefste Krise des Kapitalismus seit 1929 wird auch die Studierenden unmittelbar treffen. Selbst die Bundesregierung rechnet damit, dass bis Ende 2010 4,6 Millionen Menschen arbeitslos sind. Damit stehen ganze Jahrgänge von Studierenden vor der Gefahr, in der Arbeitslosigkeit zu landen.
Gleichzeitig drohen unter den Bedingungen der Krise weitere Verschlechterungen der ohnehin unzumutbaren Studienbedingungen (überfüllte Veranstaltungen, Workload, etc.), neue Kürzungen im Bildungsbereich, wegbrechende Unterstützung von Eltern und Streichung von Studierendenjobs. Soziale Selektion und die Zahl der Studienabbrecher werden unter diesen Bedingungen gesteigert.
Als Teil der neoliberalen Politik sind Bildung und Wissenschaft mit Studiengebühren, Bachelor-/Master-System und Managementstrukturen massiv ökonomisiert und dem Verwertungsprinzip unterworfen worden. Dieses Prinzip ist nun global in der Krise und damit auch die Hochschulen. Es bedarf daher auch in Lehre, Forschung und Studium einer Neuorientierung an den sozialen und kulturellen Interessen der großen Mehrheit der Menschen und damit eines Kurswechsels hin zu Entwicklungsmöglichkeiten für alle.
Als soziale Sofortmaßnahmen für die Studierenden und für einen politischen Richtungswechsel fordert Die Linke.SDS daher:
 

1. Studiengebühren jeglicher Art abschaffen / Studienhonorar einführen
 Spätestens mit den Milliardenpaketen an Banken und Konzerne hat die herrschende Politik die Mär von den natürlich leeren Staatskassen selbst Lügen gestraft. Die sozialen Belastung und Disziplinierung der Studierenden durch Studiengebühren ist sofort zu beenden. Ein Studienhonorar befreit von ökonomischen Zwängen und schafft Muße für ein gesellschaftlich verantwortungsvolles und an den eigenen Interessen gestaltetes Studium.
 

2. Soziale Selektion bekämpfen und Gleichstellung fördern - Ausfinanzierung der bestehenden und Schaffung von 500.000 neuen Studienplätzen
Bereits jetzt ist der Zugang zur Hochschulbildung in höchstem Maße sozial selektiv und diejenigen, die einen Studienplatz ergattern, erleben unzumutbare Studienbedingungen. Wie auch bei den Studiengebühren und dem Bachelor/Master-System trifft die soziale Selektion zugespitzt Frauen. Um der sozialen Selektion entgegen zu wirken und die Gleichstellung zu fördern, müssen in erheblichem Umfang mehr Studienmöglichkeiten geschaffen werden.

 
3. Master für alle als erster Schritt zur Überwindung des Ba-/Ma-Systems
Modularisierung, Dauerprüfungen, strenge Fristen und normierte Studiengestaltung nach Workloads sind pure Zumutung für Studierende und eine enorme Verflachung der Hochschulbildung. Bachelor-AbsolventInnen, die keinen Masterplatz, erhalten landen im Niedriglohnsektor und in der Krise in massenhafter Erwerbslosigkeit, d.h. Hartz IV. Der Master als Regelabschluss durch Aufhebung der Übergangsquoten wirkt der sozialen Selektion des Systems entgegen und ist ein erster notwendiger Schritt, um die Restriktionen aufzubrechen und eine radikale demokratische Hochschulreform einzuleiten.

 
4. Ausbau kritischer Forschung und Lehre
Die Krise zeigt in aller Deutlichkeit, dass die in den Wissenschaften in den vergangenen Jahren etablierten Menschenbilder, Gesellschaftsvorstellungen und Erklärungsmodelle vollkommen ungeeignet sind, die aktuelle Krise zu verstehen, geschweige denn, einen Beitrag zu ihrer Überwindung zu leisten. Kritische Wissenschaft muss wieder in die Forschung und die Lehrpläne, Systemalternativen zu Kapitalismus müssen wieder gedacht werden. Allen Studierenden muss ermöglicht werden, nach ihrem Abschluss an den Hochschulen zu forschen und ihre Qualifikation für den großen Bedarf an kritischer Forschung für soziale Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit zur Geltung zu bringen. Dies schafft zugleich Beschäftigung und wirkt gegen Arbeitslosigkeit.

 
5. Demokratisierung der Hochschulen

Hochschulräte, Hierarchisierung und betriebswirtschaftliches Denken in hochschulischen Leitungsfunktionen haben erheblich zur Unterwerfung der Wissenschaften unter unmittelbare Marktanforderungen und damit zur aktuellen Krise beigetragen. Für einen Richtungswechsel müssen die Hochschulen wieder umfassend demokratisiert werden. Paritätisch besetzte Selbstverwaltungsgremien mit umfassender Entscheidungskompetenz, demokratisch gewählte Leitungsfunktionen, Mitbestimmung auf allen Eben sind Eckpunkte dafür, dass die Mitglieder der Hochschule selbst über die Entwicklung der Wissenschaftseinrichtungen entscheiden können.


Unsere Forderungen sind finanzierbar.
Schon ein Achtel alleine der 87-Milliarden-Euro-Spritze für die Hypo Real Estate entspricht der gesamten Finanzierung des Bildungssystems. Mit Millionärssteuer, Vermögenssteuer und anderen Instrumenten einer sozialen Umverteilung von oben nach unten sind nicht nur die ausgeführten Sofortmaßnahmen, sondern ist insgesamt ein Ausbau der Sozialsysteme möglich. Wir suchen das Bündnis mit Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, um unsere gemeinsamen Interessen durchzusetzen: An den Hochschulen, in den Schulen und in den Betrieben.
Es ist Zeit, dass die Verursacher und Profiteure der Krise zahlen.

 

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