Da spricht mal eine linke Politikerin offen über den Kommunismus und schon ist die ganze Nation empört. Das könne man doch nicht sagen! Kommunismus sei ein Tabu! Aber was ist denn eigentlich Kommunismus? Laßt uns darüber reden. Was bedeutet Kommunismus (für mich)? Ich bin mal so frei, einen Anfang zu machen.
Als allererstes, um Mißverständnisse zu vermeiden: Nein, ich befürworte weder die DDR noch die Sowjetunion noch China, Nordkorea oder irgendein kommunistisches südamerikanisches Land. Meiner Meinung nach, hat es noch nie ein wirklich kommunistisches Land gegeben. Trotzdem: Ich bin Kommunistin. Ich befürworte den Kommunismus, das gebe ich gern zu. Aber was ist das denn nun, der Kommunismus?
Also nehmen wir das Kommunistische Manifest, nehmen wir Karl Marx. Da gibt es den Sozialismus und den Kommunismus. Der Kommunismus, das ist die Endstation, das Ziel. Und dieses Ziel teile ich. Kommunismus, das ist für mich der alte Grundsatz: Jeder gibt, was er kann, und bekommt, was er braucht. Kommunismus, das ist für mich ein Miteinander statt eines Gegeneinanders. Jeder von uns sollte das, was er am besten kann und am liebsten mag, der Gemeinschaft geben. Er bekommt dafür das, was all die anderen geben. Geben und nehmen. Im Prinzip reiner Egoismus: Man gibt, um zu nehmen. Es geht nicht mehr darum, mehr zu verdienen als der andere, sondern darum, daß jeder von uns die Gemeinschaft weiterbringt. Ich glaube, so schwer ist das gar nicht. Und ja, ich denke, daß sich für jede notwendige Aufgabe jemand finden wird. Wenn nicht, müssen wir eben irgendwelche Routineregelungen oder ähnliches schaffen. In einer WG muß ja auch jeder mal den Müll rausbringen.
Sozialismus ist der Weg dorthin, die Zwischenstation zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Marx erklärt den Sozialismus so: Zuallererst braucht man Demokratie. In einer Demokratie werden dann notwendigerweise die Proletarier die Macht erringen, weil sie nun einmal die meisten sind. An der Macht werden sie gewaltsam die Eigentumsverhältnisse und damit auch die Klassen aufheben.
Ich stimme diesem Weg nicht zu. Nur die Eigentumsverhältnisse aufzuheben, reicht nicht aus. Dadurch werden keine besseren Menschen entstehen. Die Menschen müssen den Kommunismus wollen! Das sollte unser erstes Ziel als Linke sein: Den Menschen den Kommunismus näherzubringen. Denn ich denke nicht, daß man sie zu ihrem Glück zwingen muß. Ein erzwungenes Glück ist kein Glück. Ich glaube fest daran, immer mehr Menschen merken, daß es so nicht weitergehen kann. Und daß sie sich nach und nach für alternative Gesellschaftssysteme und schließlich für den Kommunismus öffnen werden. Soviel Vertrauen in meine eigene Ideologie sollte ich doch haben.
Deshalb sehe ich zwei Wege: Der beste Weg ist die Kommune. Hier wird im Kleinen Kommunismus praktiziert. Überall bilden sich Kommunen und wer genug hat vom Kapitalismus, wer bereit ist, etwas Neues auszuprobieren, der zieht in eine. Dort wird dann der Kommunismus vorgelebt. Irgendwann werden es immer mehr Menschen sein, die in Kommunen leben, eines Tages sind es vielleicht alle.
Der zweite Weg ist die Politik. Ich glaube fest an die Demokratie. Kommunismus ist nur eine Wirtschaftsform, die Demokratie stelle ich nicht in Frage. Auch der Kommunismus wird eine Demokratie sein. Wenn es einer kommunistischen Partei gelingt, demokratisch gewählt zu werden, dann vertritt sie irgendwann die Mehrheit und kann in kleinen Schritten in Richtung Kommunismus gehen. Allerdings ist diese Variante gefährlich, weil dabei immer Leute überstimmt werden. Auch denke ich, daß unsere deutsche Demokratie erst einmal sich selbst verändern muß, bevor sie etwas anderes verändern kann. Heutzutage hat das Volk kaum noch etwas zu sagen und auch die Politiker richten sich oft nur nach den Meinungen der großen Wirtschaftsunternehmen. Unter solchen Bedingungen kann sich nie etwas ändern. Zuallererst müssen wir also für mehr Demokratie kämpfen. Dann entscheidet der Wille des Volkes, was auch immer er sein wird.
Genau hier müssen wir anknüpfen mit unser Kommunen, Schriften und Ideen. Hier müssen wir die Menschen überzeugen. Denn wenn erst einmal die Mehrheit hinter uns steht, dann ist der Weg nicht mehr weit.
Ich hätte nie in meinem Leben geahnt, daß ich einmal Kommunistin werde. Aber eines Tages haben sich mir folgende Fragen aufgedrängt: Wie kann es sein, daß das Geld so eine Macht über uns gewinnen konnte? Wer von uns war nicht schon einmal vollkommen aufgeschmissen, nur weil er kein Geld hatte? Wer hat nicht schon einmal etwas getan, nur weil er dafür Geld bekam? Wir lassen zu, daß das Geld über unser Leben bestimmt. Aber ganz ehrlich: Was ist denn Geld? Das sind doch nur Scheine und Münzen, das hat doch gar keinen realen Wert. Wir sind soviel mehr wert.