DIE LINKE. LINKE.SDS
ND: Die Linke.SDS lädt vom 2. bis 4. Oktober zum bundesweiten Kongress »Make Capitalism History« in die Freie Universität Berlin. Was ist auf dem Kongress thematisch geplant?
Stotz: In über 50 Workshops, Seminaren und Podien wird über die verschiedenen Dimensionen der Krise diskutiert. Es handelt sich nicht nur um eine Wirtschafts-, sondern auch um eine Klima- und Umweltkrise. Wir haben dazu Theoretiker, Aktivsten aus verschiedenen außerparlamentarischen Initiativen und Gewerkschafter eingeladen. So gehört Hans-Jürgen Urban vom IG Metall-Vorstand ebenso zu den Referenten wie der Historiker Karl-Heinz Roth und der Soziologe Alex Demirovic. Das genaue Projekt findet sich unter www.make-capitalism-history.de/.
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Wird es nur theoretische Diskussionen geben?
Nein, es wird theoretische, praktische und kulturelle Beiträge geben. Der Kongress ist in drei Blöcke – Analyse, Perspektiven und Aktionen – gegliedert. So wollen wir den Kongress nutzen, um darüber zu beraten, wie nach den Bundestagswahlen gemeinsamer Widerstand organisiert werden kann. Denn egal welche Koalition regieren wird, die sozialen Angriffe werden weitergehen.
So soll debattiert werden, wie ein möglicher Streik der Gebäudereinigungskräfte an Hochschulen unterstützt werden kann. Auch über eine antifaschistische Mobilisierung gegen den bundesweiten Neonaziaufmarsch im Februar 2010 in Dresden wird auf dem Kongress diskutiert.
Welche Rolle spielt das Thema Bildungspolitik?
Eine sehr große. Wir werden uns die Frage stellen, wie es mit den Protesten nach dem bundesweiten Bildungsstreik weitergeht. Daran hatten sich Mitte Juni Studierende, Schüler, aber auch Gewerkschaften beteiligt, was wir als großen Erfolg bewerten. Selbst die Politik musste darauf reagieren. Niemand verteidigt mehr die Bachelor- und Masterstudiengänge. Allerdings haben wir die Abschaffung noch nicht geschafft. Deswegen sind neue Aktionen geplant.
Hat der Bildungsstreik nicht auch die Schwierigkeiten deutlich gemacht, Studierende dauerhaft zu organisieren?
Die Frage nach einer studentischen Organisierung wird uns auf dem Kongress beschäftigten. Dabei geht es um die erschwerten politischen Aktivitäten im Zeitalter der Bachelor- und Masterstudiengänge. Das Bild des studentischen Aktivisten, der sich zwei Streiksemester leisten kann, ist heute nicht mehr aktuell. Darauf müssen wir neue Antworten finden.
Welche Erfahrungen hat Ihr Verband mit der Organisierungsfähigkeit der Studierenden gemacht?
Der SDS.Die Linke ist in der kurzen Zeit seines Bestehens ein erfolgreiches Projekt, das sich aber immer noch in der Aufbauphase befindet. Mit unserem Kongress »1968 – die letzte Schlacht gewinnen wir« ist es uns gelungen, bundesweit bekannt zu werden. Wir hoffen, dass der diesjährige Kongress dazu beiträgt, dass sich weitere Gruppen dem Verband anschließen.
Ist die Nähe zur Linkspartei nicht ein Problem für die Mitgliedergewinnung?
Es gibt bei politisch aktiven Studierenden Vorbehalte gegenüber Parteien, was auch aus den Erfahrungen mit der Entwicklung der Grünen herrührt. Wir haben aber auch gemerkt, dass das Interesse an der LINKEN auch an der Hochschule gestiegen ist und sie zunehmend Bezugspunkt für politische Aktivisten wird.
Fragen: Peter Nowak
http://www.neues-deutschland.de/artikel/156573.alles-nur-theoretisches-gerede.html