Das statistische Bundesamt veröffentlichte jüngst in einer Pressemitteilung die aktuellsten Zahlen zur Entwicklung der Drittmittelfinanzierung. Dabei wurde deutlich, dass deren Bedeutung in der Zukunft weiter ansteigen wird. Diese Tendenz ist Teil einer Umdeutung der Hochschulen, meint der Studierendenverband Die Linke.SDS. Sascha Collet, Bundesgeschäftsführer des Studierendenverbandes dazu:
„Was sich hier abzeichnet, ist klar: die Regierungen ziehen sich aus der Verantwortung zurück und überlassen die Zukunft der Hochschulen dem Verhandlungsgeschick der Unis und den Interessen der freien Wirtschaft. Ganz nach dem Bild der „entfesselten Hochschule“ wird hier Freiheit gepredigt, während sich die Hochschulen unter einem steigenden Druck befinden. Studiengänge, die für die Wirtschaft uninteressant sind, fallen dabei hinten runter. Das ist eine Gefahr für die Freiheit der Lehre.“
Tatsächlich zeigt sich in der veröffentlichten Statistik, dass es vor allem technische Studiengänge wie Medizin oder Ingenieurswissenschaften sind, die von Drittmitteln profitieren. Durchschnittlich zwischen 450.000 und 470.000 € pro Jahr konnten hier die Dozierenden einwerben. Dagegen wirkt die Summe von 66.300 €, die in Sprach- und Kulturwissenschaften durchschnittlich erzielt wurden, verschwindend gering.
Auch zwischen den Hochschulen bestehen große Unterschiede. Auffällig ist dabei vor allem, dass Hochschulen, die von der Exzellenzinitiative gefördert werden, zusätzlich von Drittmitteln profitieren. Kerstin Wolter, Mitglied im Bundesvorstand von Die Linke.SDS, ist besorgt:
„Durch diese einseitige Förderung wird die Trennung von Elite- und Massenuni vorangetrieben. Schon seit längerem verfolgen wir diesen Prozess mit Sorge. Unter anderem hat dies zur Folge, dass viele Unis fast ausschließlich Forschung betreiben, weil sich damit leichter Drittmittel einwerben lassen, während andere nur noch Massenabfertigung betreiben können, was die Lehre sehr verschlechtert. Die Folge dieser Entwicklung sehen wir in diesem Herbst überdeutlich: Alle Unis sind überlaufen, die Lehre verschlechtert sich, es gibt nicht genügend bezahlbaren Wohnraum für Studierende, das Studium wird immer teurer. Wir hoffen, dass die diesjährigen Bildungsproteste um den 17. November diese Missstände aufzeigen und Verbesserungen erzielen können!“